52. Kölner ISLAND-Kolloquium
am Samstag, den 14. November 2026
in der Fritz Thyssen Stiftung, Apostelnkloster 13-15, 50672 Köln
Programm
| 09:45 Uhr | Begrüßung durch die Präsidentin der Gesellschaft, Bettina-Adenauer | |
| 10:00 Uhr | Dr. Peter Weiss Isländisch für Neubürger |
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| 11:00 Uhr | Dr. Jonas Bokelmann In Island aus der Welt / Von Island aus in alle Welt – Albert und Edith Daudistels Exil in Reykjavík (1938-1974) |
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| 12:00 Uhr | Mittagspause | |
| 14:00 Uhr | Prof. Dr. Karl-Werner Schulte Island auf historischen Landkarten (Schulte-Collection, Akureyri Museum) |
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| 15:00 Uhr | Kaffeepause | |
| 15:30 Uhr | Arthúr Björgvin Bollason Renaissance der Njáls Saga |
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| 16:30 Uhr | Schlusswort |
Leitung: Dr. Sverrir Schopka, Moderation: Dr. Stefan Schmidt
Abstracts zu den Vorträgen
Dr. Peter Weiss
Isländisch für Neubürger
Gefum íslensku séns! – Geben wir Isländisch eine Chance!
Das Islandkolloquium hat während der letzten Jahre bereits mehrfach die Situation von Einwanderern in Island beleuchtet und den gesellschaftlichen Wandel, der mit der recht hohen Anzahl an Neubürgern einhergeht. Peter Weiss ist Vorstandsvorsitzender einer neuen Vereinigung, Gefum íslensku séns, die versucht, Isländern klar zu machen, dass für die vielen, die versuchen, Isländisch zu lernen, die wirklich inklusive Sprache nicht Englisch ist, sondern Isländisch. Optimalerweise Isländisch, das an das Sprachniveau des/der Lernenden angepasst ist.
Leider ist es immer noch verbreitete Praxis mit allen, die nicht perfekt Isländisch sprechen, Englisch zu sprechen. Das kann missverstandene Höflichkeit sein, ist aber hinderlich beim Spracherwerb, torpediert die Motivation und führt in der gegenwärtigen Situation, immerhin sind über 20% der Wohnbevölkering Nicht-Muttersprachler, langfristig zu einem Verkümmern der isländischen Sprache.
Peter Weiss hat in Köln, Kiel und Reykjavík studiert, in Greifswald promoviert und lebt seit 1997 fest in Island, erst als DAAD-Lektor an der Universität Islands, dann als Leiter des Fremdsprachenzentrums der Universität Islands und Leiter des Goethe Zentrums Reykjavík. 2005 schlug er eine Festanstellung an der Universität Islands aus und zog als Leiter und zunächst einziger Mitarbeiter des neugegründeten Hochschulzentrums der Westfjorde nach Ísafjörður. Heute hat UW.is mit Lehrbeauftragten, Forschern und An-Instituten an die 20 Mitarbeiter und 80 Vollzeitstudenten.
2025, auf der 20-Jahrfeier des Hochschulzentrums, kündigte Peter Weiss an, sich neu orientieren zu wollen. Zwanzig Jahre seien eine gute Zeit gewesen, aber sowohl Mitarbeiter als auch Institutionen brauchen nicht nur Stabilität, sondern auch Wechsel.
Dr. Jonas Bokelmann
In Island aus der Welt / Von Island aus in alle Welt – Albert und Edith Daudistels Exil in Reykjavík (1938-1974)
Innerhalb der jüngeren Geschichte von Flucht und Migration nach Island stellt das dortige Exil von Albert und Edith Daudistel in den Jahren des zweiten Weltkriegs und danach einen Sonderfall dar. Beide gehörten an sich nicht zu jenem schmalen Kreis von Personen, die sich damals Hoffnung auf Asyl auf Island machen konnten. Als freier Autor und als Theaterschauspielerin hatten beide zudem mehr als andere Geflüchtete mit der Sprachbarriere und der Schwierigkeit zu kämpfen, in einem Land Fuß fassen zu müssen, in dem es zwar viele Hobbydichter, aber kaum Berufsschriftsteller gab und wo das professionelle Theater in den Kinderschuhen steckte. Wie gingen beide zu verschiedenen Zeiten ihres Exils als Personen mit diesen Herausforderungen um und inwieweit spiegelte sich dies auch in ihren Texten?
Jonas Bokelmann, geboren 1984 in Duisburg, aufgewachsen in München. Dort und in Reykjavík Studium der Komparatistik, Nordische Philologie und Geschichte. Nach Studienabschluss 2012 einige Jahre Fahrer für eine Gärtnereigenossenschaft. Seit 2014 Untersuchung des Nachlasses Albert Daudistels unter dem Gesichtspunkt „Islandexil und Widerstand“, zunächst selbstständig, dann als Promotionsprojekt an LMU München und HÍ Reykjavík. Nach Verteidigung der Arbeit 2024 verschiedene Folgeprojekte im Bereich „Flucht und Migration nach Island“. Dazu Arbeit als Deutschlehrer an einer Sprachschule, VHS-Dozent für Isländisch, Kurator, Moderator und Autor.
Prof. Dr. Karl-Werner Schulte
Island auf historischen Landkarten (Schulte-Collection, Akureyri Museum)
Der Vortrag beschreibt zunächst die ersten Reisen nach Island in den 70er Jahren und wie sich daraus die Liebe zu Island entwickelte, wie zunächst per Zufall und danach gezielt die „Schulte Collection“ entstand, warum und wie die Sammlung als Schenkung in das Akureyri Museum gelangte und warum der Bestand von 76 auf 212 Landkarten (Stand 2026) angewachsen ist. Ein Vergleich mit dem Kartenbestand der Nationalbibliothek Islands („Landsbokasafn Islands“) weist nach, dass die „Schulte Collection“ bei weitem größer und (bis zum Beweis des Gegenteils) die größte Sammlung historischer Landkarten von Island ist, mit Sicherheit aber die einzige, die in jedem Jahr im Sommer der Öffentlichkeit zugänglich ist.
Karl-Werner Schulte, geboren 1946 in Warstein, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Münster und promovierte dort zum Dr. rer.pol. Im Jahre 1986 erhielt er einen Ruf an die European Business School für das Fachgebiet Investition & Finanzierung. In den 90er Jahren begründete er das Fachgebiet Immobilienökonomie an deutschen Hochschulen und wurde als Präsident der European und der International Real Estate Society weltweit bekannt. 2006 wechselte er an die Universität Regensburg und gründete dort die IREBS International Real Estate Business School. Seit 2011 ist er offiziell im Ruhestand und konzentriert sich auf die Entwicklung von immobilienbezogener Lehre und Forschung an Universitäten in Afrika.
1971 führte ihn eine Reise erstmals nach Island. Die Hochzeitsreise in 1976 machte dann seine Frau Gisela ebenfalls zum Island-Fan. Geboren aus einem Zufall, stellten sie in vierzig Jahren die weltweit größte Sammlung historischer Islandkarten zusammen und schenkten sie der Stadt Akureyri, wo in jedem Jahr im Sommer eine Ausstellung stattfindet.
Arthúr Björgvin Bollason
Renaissance der Njáls Saga
In den letzten Jahren hat in Island eine Art „Renaissance“ der mittelalterlichen Njáls Saga stattgefunden. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Gründung eines „Njáls Saga Vereins“ unter der Leitung des ehemaligen Landwirtschaftsministers Guðni Ágústsson. Im August des vergangenen Jahres organisierte der Verein die sogenannte "Njáls Saga Woche", eine Reihe von Veranstaltungen, die zum größten Teil auf den Schauplätzen der Njáls Saga im Süden Islands stattfanden. Höhepunkt dieses Events war eine Inszenierung des großen „Mordbrands“ auf Njáls Hof Bergþórshvoll, die sich am Ufer des Flusses Rangá, unter der Teilnahme von 100 Reitern und 200 Islandpferden abspielte. Obwohl es an diesem Abend geregnet hat und in Reykjavik die „Nacht der Museen“ im Gange war, sind 7300 Gäste (!) zu dieser Veranstaltung im Freien erschienen. Unter den Gästen war die Journalistin Johanna Pfund von der Süddeutschen Zeitung. Am 9. Oktober 2025 erschien von ihr in der SZ ein langer Artikel mit dem Titel „Kalt sind die Ratschläge der Frauen“, in dem sie schreibt, die Njáls Saga sei heute noch eine „spannende Lektüre“.
In seinem Vortrag wird Arthúr Bollason, der frühere Leiter des Saga-Zentrums in Hvolsvöllur, der Frage nachgehen, warum die Njáls Saga heute noch bei den Isländern so beliebt ist. Er wird außerdem von der ersten deutschen Gesamtausgabe der Sagas erzählen, die gegen Ende des Jahres erscheinen soll und zu den größten deutsch-isländischen Kulturprojekten der letzten Jahrzehnte gehört.
Arthúr Björgvin Bollason ist Autor, Übersetzer, Journalist, Saga-Experte und Filmemacher. Er organisierte den Gastlandauftritt Islands auf der Frankfurter Buchmesse 2011 mit und hat zahlreiche Bücher über Island sowie auch Saga-Hörbücher veröffentlicht. Übersetzt hat er literarische und philosophische Werke, u.a. von Hegel, Schiller, Nietzsche, Fontane und Enzensberger. In den vergangenen Jahren hat Bollason viele Vorträge über Island gehalten und an TV Sendungen mitgewirkt.